Zum Tod des Lotto-Tabakladen Betreibers in der Hallerstrasse 5

Laut Hermes-Quittung war es gestern, 24. Februar 09:20, als ich das letzte Mal mit Ihnen gesprochen habe. Ich habe, ausnahmsweise, ein Päckchen bereits am morgen bei Ihnen abgegeben. Sie sprachen mit einer Bekannten in Ihrer Sprache. Zum Abschied sagten Sie ihr auf Deutsch „Gute Besserung“. Sie waren freundlich, wie immer, seit ich Sie kenne, und das sind doch schon einige Jahre.


Sie sind einer der ganz wenigen Menschen, denen man das „ich wünsche Ihnen einen schönen Tag“ wörtlich glaubte, einer der wenigen Menschen, denen man 100 prozentig vertrauen konnte und daher vertraute. Immer ruhig, fast immer ausgeglichen, waren Sie zuverlässig da. Für uns alle hier im Umkreis.


Zur selben Zeit haben wir menschlich schwierige Erfahrungen gemacht, Trennung – Scheidung – Wiederaufrappeln – weitermachen. Schwere menschliche Enttäuschungen haben Sie nicht gebrochen – und vielleicht auch deshalb mich nicht…


In wenigen Worten haben wir uns gegenseitig verstanden gefühlt. Und dies bei den wenigen Worten, die wir täglich wechselten


Als kleine Selbständige hatten wir mit ähnlichen Schwierigkeiten und Herausforderungen zu kämpfen. Und egal, wie schwer es an manchen Tagen war, zu jedem freundlich zu sein und unserem Gegenüber ein gutes Gefühl zu geben. Wir haben uns beide bemüht. Ich habe Sie bewundert, wie Sie, absolut ganz alleine, wirklich wie ein Uhrwerkt pünktlich und zuverlässig da waren, weiter gemacht haben, und das mit Herz!


2 Monate nach Weihnachten, fast 2 Monate nach Silvester, das Sie mit befreundeten Nachbarn im Griechen am Schlump ruhig und entspannt begonnen haben, haben Sie jetzt Frieden gefunden.


Wie groß das Loch ist, dass durch ihr Gehen hier gerissen wurde, wird vielen erst noch im Laufe der nächsten Tage klar werden.


Die Zahl der Kerzen, die bereits am Abend Ihres Todes vor Ihrem kleinen Geschäft brannten, zeigt, wie sehr die Menschen in Ihrer Nähe von Ihrem Tod betroffen sind.


Betroffen – weil auch wir abrupt daran erinnert wurden, dass jeder von uns irgendwann gehen wird. Und dass fast niemand die Gelegenheit erhält, vorher sich zu verabschieden. Wo wird man z.b. in wenigen Jahren mich finden? Im Laden? Zuhause? Oder am Meer, dessen Einsamkeit ich so oft wie möglich suche? Sie sind dort gestorben, wo Sie gelebt haben!


Und ich bin froh, dass ich an diesem einen Donnerstag morgen noch einmal bei Ihnen war. Im nachhinein ist es so, als ob wir uns unbewusst eben DOCH voneinander verabschiedet haben.


Ihre Herzlichkeit, Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Ihre Bereitschaft, für jeden alles möglich zu machen – und sei es, in Ihrer Mittagspause für andere noch einkaufen zu fahren, wird vielen noch lange im Gedächtnis bleiben.


Eckhard Kretschmer

Secondino

2 Comments

  1. Falls jemand erfährt, wann und wo die Beerdigung ist, wäre ich für eine kurze Nachricht sehr dankbar
    info@secondino-hamburg.de

    • Lynn says:

      Ich bin traurig und geschockt! Ich kann mich noch an eine Anhäufung von Krankenwagen erinnern, die in der Strasse standen, aber ich habe nicht eine Sekunde daran gedacht, dass es meinen lieben LOTTO-Ladenbetreiber betraf. Vielen Dank Herr Kretschmer für die schönen Worte und die Information. Besser hätte man diesen Menschen nicht beschreiben können…wünschen wir ihm eine Gute Zeit, wo auch immer er sie verbringen wird.

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